Chronik von Nordheim am Main

Ein kleiner Ort mit einer langen Geschichte

Vor mehr als 1.100 Jahren wurde unser Ort erstmals offiziell erwähnt: In einer königlichen Urkunde über die Schenkung von zwei Weingärten – was sonst? – an das Kloster Münsterschwarzach. Seitdem hat sich in Nordheim (fast) alles im Zusammenhang mit dem Wein entwickelt, und viele historische Eckdaten haben mit Wein zu tun. Doch es gibt noch eine Reihe weiterer interessanter Ereignisse, von denen wir hier berichten. Wenn Sie sich für lebendige Geschichte interessieren, die auch den Alltag der Menschen über die Jahrhunderte hinweg abbildet: Werfen Sie einen Blick in unsere Chronik!

Königliches Siegel auf der Nordheimer "Geburtsurkunde"

800 v. Chr. bis 15 v. Chr.       bestand am östlichen Ortsrand von Nordheim (im Bereich des neuen Friedhofs) wahrscheinlich eine Keltensiedlung aus der Hallstatt- und der jüngeren Latènezeit. Bis heute gibt es hier den „Kaltenhof“ und die Kaltenhofstraße. Aus dieser Zeit sind jedoch keine festen Siedlungen erhalten – falls es diese überhaupt gegeben hat.
496    siegte Frankenkönig Chlodwig über die Alemannen. Unter seinen Söhnen drangen die Preußen immer weiter nach Osten vor und fassten im Maingebiet Fuß. Es entstanden erste feste Siedlungen und Dörfer.
Im 6. Jahrhundert    besiedelten Franken die Gegend, in dieser Zeit entstand sicher auch unser Dorf – die Endung „-heim“ deutet auf eine Frankensiedlung hin: Nordheim, Astheim, Unter-/Obereisenheim, Stammheim, Mainstockheim, Prosselsheim, Bergtheim usw. Die erste  Nachricht von der Errichtung unseres Dorfes (leider nicht nachweisbar) ist von
892    In diesem Jahr schenkte Bischof Rudolph von Würzburg etliche Güter, u.a. auch Weinberge zu Nordheim, „seiner Seele zum Besten“, dem Kloster Münsterschwarzach.

Am 21.04.918      bestätigt König Konrad I. die Schenkung zweier Weingärten zu Nordheim an das Kloster Münsterschwarzach. Diese urkundlich erhaltene Abschrift ist Nordheims  „offizielle Geburtsurkunde“

1076    erhält das Kloster einen Weinberg in Nordheim von Bischof Adalbero von Würzburg.
1306    erlangt das Kloster Münsterschwarzach die Vogtei-Rechte zu Nordheim von den Grafen von Castell.
1424    werden die „Siebener“ erstmals erwähnt.
1473    wird eine Verordnung zum Betrieb der „gemeindlichen Pattstuben“ erlassen.
1478    hat Nordheim 130 Einwohner.
1499     erwirbt Abt Michael I. Besitzungen in Nordheim. Dazu gehören auch Weinberge.
1502    verkauft Sigmund von Seinsheim ererbte Güter an den Markgrafen von Brandenburg. So hat Nordheim drei Schultheißen, einen Würzburgischen, einen Brandenburger und einen Schwarzacher. Diese Beamten zogen im Auftrag ihrer Herren bei den Mitgliedern der Gemeinde die Abgaben ein und kümmerten sich um die Beachtung sonstiger Verpflichtungen.
1520    wird in Nordheim eine „Engelmesse“ gestiftet – der Nachweis für ein eigenständiges kirchliches Leben.
um 1530    erbaut Johannes Büttner, 45. Abt von Münsterschwarzach und Sohn eines Büttners aus Nordheim, den ersten Zehntkeller.
1540    wird eine größere Kirche mit Turm gebaut. Beim Bau der Freitreppe im Jahr 1913 wird ein frühgotisches Seitenportal entdeckt, aber wieder verputzt. Neben der Kirche, wo heute das neue Rathaus steht, – befinden sich das gemeine Backhaus und das gemeine Knechtshaus.
1551    kommt es zu Markungsstreitigkeiten zwischen Nordheim und den Zollnern auf der Hallburg. Der Schiedsspruch legt die Grenze mit einem langen Graben vom Gemarkungsschnittpunkt Hallburg-Sommerach-Nordheim bis zum Main fest.
1575    wird die „von alters wegen undüchtig“ gewordene Fährordnung aktualisiert. Sie legt fest, dass ein Fährer für alle Bewohner „eine Prücken“ zur Verfügung stellen muss, und zwar „bei tag und nacht one verzug“. Für Bürger mit offiziellen Angelegenheiten, bei Heerzügen und Feuersbrünsten, für Frauen in Geburtswehen und wenn Kinder in Gefahr sind, ist die Überfahrt kostenlos. Alle anderen bezahlen 5 Pfennige Jahrespauschale, ersatzweise an Weihnachten einen Laib Brot an den Fährer.
1585    entsteht der erste klösterliche Weinkeller mit Kelterei, Kelterhaus, Werkräumen und Wohnungen für Weinbauer.

Der historische Kaltenhof aus dem 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert     entstehen einige stattliche Höfe: der Gülthof und der Steinhof, deren Lage heute noch nicht festgestellt ist, der Glockenhof (Langgasse 25, mit Glockenwappen und Jahreszahl 1588) sowie der Kaltenhof (Volkacher Straße 6).
1598    erfolgten die Pfarreierhebung und der Bau der Kirche in ihrer jetzigen Form. Der Unterbau des Turmes geht bis in die gotische Zeit zurück.
1608     werden Äcker, Weinberge und Wiesen vermessen, damit die Besitzer von Lehen ihre Güter wieder sorgfältig bebauen und ihre Abgaben und Zehnten entsprechend geordnet ans Kloster abliefern können.
1613-18    wird der Nordtrakt des Zehnthofs als Dreiflügel-anlage in Echterzeitlicher Nachgotik erbaut. Dazu gehört auch die Kapelle, in der die Patres während der Weinlese und bei anderen Aufenthalten im Dorf die heilige Messe feiern.
1618     wird die Kapelle den Aposteln Simon und Judas geweiht, an deren Festtag jährlich ein Amt gesungen wird.
1621    verzeichnet das Schatzungsbuch folgenden Viehbestand in Nordheim: 6 Pferde, 108 Kühe, 49 Kälber, 44 Schweine und 11 Ziegen.
1648    sinkt die Einwohnerzahl als Folge des Dreissigjährigen Krieges auf 35, steigt dann aber wieder auf knapp 1.000 Seelen.
1688    wird der Zehnthof um den Südtrakt erweitert, mit der Zehnthofkapelle und einer Kelterhalle mit vier Keltern.
1707    wird die Ölbergkapelle erbaut.
1732    erfolgen eine Turmerhöhung und die Fassadengestaltung der Kirche in der heutigen Form, ebenso die reiche Innenausstattung. Backhaus und Knechtshaus werden abgerissen.

 

Der Nordheimer Zehnthof

1755    wird die Zehnthofkapelle neu ausgestattet und mit Deckenfresken ausgemalt.
1764    wird ein weiterer Weinkeller für den Zehnthof gebaut. Die Lagerkapazität beträgt ca. 6.100 hl.
1778    entsteht die kunstvolle Mariensäule mit der Doppelmadonna, ein beschwingtes Werk des Rokoko.
1779    geloben die Nordheimer die jährliche Wallfahrt nach Vierzehnheiligen.
1803    wird das Kloster Münsterschwarzach im Zuge der Säkularisation aufgelöst, seine Besitztümer werden verkauft.
1805    wird Nordheim dem Großherzogtum Würzburg überlassen.
1810    kostet das Übersetzen der Lein-Pferde für die Treidelschifffahrt auf der Nordheimer Fähre 5-6 Kreuzer.
1814    kam Nordheim zum Königreich Bayern und mit dem Gemeinde-Edikt von 1818 entstand die heutige Gemeinde.
1818    wird Nordheim zum „freundlichst gestalteten Dorf im Main-Kreis des Königreichs Bayern“ ernannt.
1825    richtet Nordheim eine Petition an die Abgeordneten der hohen Ständeversammlung des Königreich Bayerns, um vom Weinaufschlag für einzuführenden Wein und von der Maut befreit zu werden.

Flurkarte von Nordheim im Jahr 1833

1833    wird das Kataster Nordheim mit 180 Hofstellen zwischen Fischergasse und Heumarkt in West-Ost- sowie „Am Main“ und Langgasse / Augasse in Nord-Süd-Richtung berechnet. Die Abgrenzung des Dorfes zur Landschaft hin erfolgt – der fränkischen Hauslandschaft entsprechend – durch traufständig orientierte Scheunenriegel, denen nach außen Gartenflächen vorgelagert sind. Die Weingärten reichen bis an die Siedlungsgrenze.
1857    wird der Cäcilienverein gegründet. Er umfasst die Musikkapelle Nordheim und den Gemischten Chor.
1863    wird in Nordheim ein Briefkasten aufgestellt.
1873    wird der Feuerwehrverein Nordheim gegründet.
1876-77    entsteht das Schulhaus.
1879    lassen die Nordheimer die Wallfahrt nach Vierzehnheiligen ausfallen. Am 29. Juni vernichtet ein Hagelschlag die gesamte Flur. Daraufhin wird die Wallfahrt wieder regelmäßig jedes Jahr durchgeführt – bis heute.
1886    wird die Kettenschleppschifffahrt auf dem Main eingeführt.
1908    wird der Weinbauverein gegründet. Gründungsvorstand ist Pfarrer Becker.
1911    geht die Teilstrecke Kitzingen–Schweinfurt der Kettenschleppschifffahrt in Betrieb.
1912    wird am 9. Januar der Männergesangverein gegründet.

Die Kochschule im Nordheimer Zehnthof Anfang des 20. Jahrhunderts

1917    erwirbt die katholische Kirchenstiftung den Zehnthof. Ein Kindergarten, ein Schwesternwohnheim, ein Jugendheim, eine Hauswirtschaftsschule sowie Wohnungen für fünf Familien werden eingerichtet.
1919    wird die Gemeinde Nordheim durch die Fränkischen Überlandwerke elektrifiziert
1925    wird am 20. September der Turn-Verein Nordheim (heute TSV Nordheim) gegründet.
1945    rücken die Amerikaner am 7. April in Volkach ein, an der Nordheimer Fähre wird eine Pontonbrücke gebaut. (2)
1951    gründet Pfarrer Alfons Schneider die Winzergenossenschaft Nordheim.
1952    wird Nordheim selbstständige Gemeinde im Landkreis Gerolzhofen. (2)
1954    bildet sich die Landfrauengruppe Nordheim.
1957    Fertigstellung des Mainkanals, Nordheim liegt nun auf der Weininsel.
1960    beginnen die Verhandlungen mit der Bundesrepublik zum Erwerb eines Geländes am Mainufer für den Bau eines Wasserübungsplatzes. Viele Jahre wird gegen eine Besitzeinweisung demonstriert und prozessiert. 1982, als die Enteignung bevorsteht, stimmt die Gemeinde dem Verkauf zu.

1964    erwirbt die Winzergenossenschaft Nordheim den Zehnthof.
1965    erbaut die Katholische Kirchenstiftung den Kindergarten in der Raiffeisenstraße.
1968    gründet sich der Weingenießerclub Nordheim. Gründungsvorstand ist Karl-Heinz Zang.
1969    entsteht der Schulverband Nordheim-Sommerach, die Nordheimer Kinder gehen in Sommerach in die Grundschule.
1972    kommt Nordheim im Zuge der Gebietsreform in Bayern zum Landkreis Kitzingen.
1976    ergeht die Anordnung der Flurbereinigung für Nordheim und der Beginn der Planungen.
1978    wird Nordheim selbstständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Volkach.
1980    beginnt Projekt I der Flurbereinigung mit ca. 70 ha Fläche. Dabei entstehen auch die Schlammschutzmauer und der Weinlehrpfad.
1982    erfolgt die Wiederanpflanzung im Projekt I. Im gleichen Jahr beginnt der Bau des Übungsplatzes am Mainufer, die Pioniere ziehen 1986 ein.
1985    wird die zentrale Wasserversorgung gebaut, mit Anschluss an die Fernwasserversorgung Franken
1985-86    startet das Flurbereinigungsprojekt II mit ca. 63 ha Fläche.
1986    erfolgt der Bau der Kläranlage. Alle Anwesen werden an die Abwasseranlage der Gemeinde angeschlossen.

Die Partnergemeinden Nordheim am Main und Nordheim im Elsaß

1993    am 24. Oktober unterzeichnen Nordheim am Main und Nordheim im Departement Bas-Rhin in Frankreich einen Partnerschaftsvertrag.
1994-96    entsteht der neue Friedhof mit Aussegnungshalle.
1995    folgt das Flurbereinigungsprojekt III mit ca. 60 ha Fläche.
1999    entsteht das neue Rathaus.
2000    beginnt das Flurbereinigungsprojekt IV mit ca. 60 ha Fläche.
2008    ist die Sanierung der Zehnthofkapelle beendet.
2009    wird der Kindergarten umgebaut.
2014    baut die Pfarrgemeinde das alte Rathaus um.
2015    gründen sich der gemeinnützige Förderverein „Skate‘n‘Rock e.V.“ sowie der Verein „Erhalt der Nordheimer Au“.
2016    startet das letzte Teilstück der Flurbereinigung, Projekt V, mit 173 ha Fläche.
Die Fähre bekommt im Zuge der Generalüberholung ein neues Fährhäuschen.

Das Logo zum Nordheimer Ortsjubiläum im Jahr 2018

2018 feiert Nordheim 1.100-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen. Mehr Infos und Bilder zum Jubiläumsjahr finden Sie hier (Link).
2018    am 1. Dezember wird der Friedweinberg geweiht – als einer der ersten in ganz Deutschland. Mehr Infos dazu finden Sie hier (Link).

 

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